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 Etikette

"Ohne Etikette geht jeder Respekt verloren, die Kampfkunst gerät zum Schlägertum, die Gewalt tritt hervor." (Toshiya-Magazin, Ausgabe 5-2008)
Kampfkünste sind tief in der Geschichte und in Traditionen Asiens, insbesondere Japans, Chinas und Koreas, verwurzelt. Sie werden seit vielen Jahrhunderten betrieben und wurden in ihrer ursprünglichen Form, dem chinesischen Shaolin Kung Fu, von den japanischen Rittern (Samurai) weiterentwickelt. Zusammen mit den Techniken sind uns Elemente ihrer Kultur überliefert und wichtig. Es sind, Ehre, Selbstdisziplin, Rieten und Zeremonien um die Kampfkunst, sowie der Respekt vor den anderen und der Sache selbst. Betritt ein Budoka (Kampfsportler) ein Dojo (den traditionellen Übungsraum), so verbeugt er sich. Damit zeigt er, dass er das Dojo und seine Mitglieder respektiert und sich den Regeln des Budosports unterwirft. Das Dojo ist mit Matten ausgelgt. Das Betreten der Matten erfolgt barfüßig. Auf dem Weg zur Matte werden Schuhe oder Sandalen getragen. Damit vermeiden wir Verschmutzungen. Muss man die Matte während des Trainings verlassen, so zieht man immer seine Schuhe an.
Alle Sportler stellen sich im Dojo auf der Matte auf. Der höchste Gürtelträger steht auf Pos.1, vom Lehrer (Sensei) aus gesehen, die ganz linke Position. Die anderen folgen in absteigender Graduierung. Der Lehrer kündigt "Seiza" ( Kniesitz), "Zazen" (Joga-Meditationssitz) oder "Ritsu-rei" (Gruß im Stand) an. Bei "Zazen" und "Seiza" knien alle ab. Dabei wird zuerst der rechte Fuß leicht nach außen gestellt. Das linke wird zuerst abgekniet. es folgt das rechte. Aus dem Kniestand setzt sich der Budoka auf seinen Fersen ab. Der Oberkörper ist aufrecht, die flachen Hände ruhen auf den Oberschenkeln. Es wird ruhig durch die Nase ein- und den Mund ausgeatmet. Bei "Ritsu-rei" bleiben alle stehen. Dann erklärt der höchstgraduierte Kyu- oder Danträger auf der Schülerseite "Mokuso" (frei für "Meditation / Konzentration"). Alle Teilnehmer schließen nun die Augen und bereiten sich geistig auf das Training vor. Der Alltag bleibt draußen. Nach dem Ruf - auch vom Höchstgraduierten auf der Schülerseite - "Jame" (jap. Stop oder Ende) oder "Mokuso Jame" öffnet man die Augen wieder. Es folgt der Ruf "Sensei ni rei" (jap. Gruß zum Lehrer), worauf sich alle im Sitz (bei Ritsu-rei im Stand) verbeugen. Man legt bei der Verbeugung im Seiza oder Zazen die Hände vor den Knien auf die Matte (Handfläche nach unten), beugt den Kopf und den Oberkörper vor (nicht mit der Stirn die Matte berühren, sondern ca. 10 cm über der Matte bleiben). Wenn sich alle Trainingsteilnehmer wieder zum Sitz aufgerichtet haben, erhebt sich zuerst der Sensei, dann stehen alle Schüler auf und machen eine Verbeugung (diese Zeremonie wird in den Dojos zum Teil verschieden durchgeführt). Das Aufstehen erfolgt im umgekehrter Reihenfolge des Absitzens. Diese Reiehnfolge ergab sich dadurch, dass die Samurai auf ihrer linken Seite das lange Schwert trugen. Nach dem Aufstehen erfolgt der Gruß "Yoseki ni rei" oder "Shomen ni rei" (Gruß zum Ehrwürdigen). Im Judo und Jiu-Jitsu ist dies in aller Regel Jigoro Kano, dessen Bild in fast allen Dojos (für Judo oder Jiu-Jitsu) hängt.
Kommt jemand zu spät zum Unterricht, so meldet er sich beim Trainer und entschuldigt sich. Der Trainer entscheidet, ob der zu spät gekommene noch mittrainieren darf. Der Trainer hat die Aufsichtspflicht und muss wissen, wer am Training teilnimmt, wer gerade auf der Matte ist oder sich an einen anderen Ort abgemeldet hat. Ein Trainingsteilnehmer darf während des Trainings das Dojo nicht einfach verlassen, sondern muss unbedingt den Lehrer oder einen Betreuer verständigen, damit dieser den Sachverhalt kennt und notfalls eingreifen kann, wenn ein Trainingsteilnehmer wegen einer Verletzung oder Übelkeit von der Matte gehen muß. Grüßt die Gruppe gerade ab, so wartet der Verspätete bis sie fertig ist. Nie die Matte betreten wenn, angegrüßt wird.
Jeder trainiert nach seinen Möglichkeiten (bzgl. Technikvermögen, Ausdauer, Schnelligkeit, etc) und übt das, was der Trainer zeigt. Dazu wird in den meisten Fällen mit einem Partner geübt. Der Respekt vor dem Partner und seiner Gesundheit bringen die Übenden durch Verbeugen zueinander, vor jeder Übungssequenz, zum Ausdruck. Nach der Übungssequenz drückt die Verbeugung den Dank aus, dass der Partner sich zur Verfügung gestellt hat und die Entschuldigung, für den Fall, dass die ein oder andere Ausführung nicht ganz schmerzfrei verlaufen ist. Muss man eine kleine Pause einlegen oder wird vom Lehrer eine Technik gezeigt, so setzt man sich am Mattenrand im "Seiza" (Judositz) oder "Zazen" ab, um die anderen nicht zu stören.
Die Fortgeschrittenen dürfen nie vergessen, dass ihr Verhalten maßgebend ist für das Verhalten der Anfänger und damit für die ganze Trainingsatmosphäre.
Am Ende des Trainings folgt wieder eine Grußzeremonie wie an dessen Beginn. Körper und Geist kommen zur Ruhe. Nach dem Aufstehen verbeugen sich alle leicht im Stand zum Lehrer hin; die Teilnehmer bedanken sich dadurch für das Training, der Trainer bekundet seinen Dank für die Teilnahme am Training und für die Disziplin. Anschließend verbeugen sich alle zu Shomen / Yoseki. Zum Schluß verbeugen sich die Trainingspartner zueinander, um ebenfalls ihren Dank auszudrücken und sich für eventuelle Schmerzen oder kleinere Verletzungen zu entschuldigen. Beim Verlassen der Matte grüßt man wieder am Mattenrand.