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Selbstverteidigung war schon immer ein aktuelles Thema. Zu jeder Zeit gab es Kampfkunst- und Kampfsportschulen in welchen von Generation zu Generation Wissen und Erfahrungen zu diesem Thema weitergegeben wurde. Einige dieser Schulen waren zum Großteil paramilitärsch und dienten der Macht und den Mächtigen, andere versuchten schon in ihrer Wurzel, den Weg der Kampfkunst als einen Weg der ganzheitlichen Reife und Erleuchtung zu gehen.Letztere zeichnet eine tiefe Menschlichkeit und die Anschauung aus, dass Kampf im Grunde schlecht ist, weil es immer einen oder mehrere Verlierer oder gar Verletzte gibt. Trotzdem ist es nötig sich verteidigen bzw. Schaden von sich und Anderen abwehren zu können. Und wenn man schon kämpfen muss, dann sollte man auch gewinnen können. In unseren, teils sehr westlich orientierten Gesellschaftsstrukturen, treten die inneren Werte immer mehr in den Hintergrund. Ein dickes Auto, eine goldene Uhr, viel Geld, Statussymbole und Ansehen zählen heute zuweilen mehr. Bildung, Religiosität, soziales Miteinander und Einsicht verlieren scheinbar an Bedeutung. Die Sehnsucht danach aber bleibt und wird kompensiert durch schnelleres Leben und möglichst viel Konsum. Damit einher geht aber auch eine negative, innere Leere, welche frustriert, und besonders Jugendliche orientierungslos zurück lässt. Eltern haben immer weniger Zeit, sind eingespannt in die Beschaffung von Gütern und die Erhöhung des Statusses. Wer seinen Wert aber nur an Äußerlichkeiten misst, hat auf Sand gebaut. Zu leicht ist es, aus dieser Gesellschaftsstruktur herauszufallen. Aber auch wer es schafft sich zu behaupten, lebt meist in Stress und Angst zu versagen. Es fehlt der Ausgleich. Frustration, Angst und mangelndes Selbstwertgefühl sind einige der Haupttriebfedern von Gewalt. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass vor allem sehr schnellebige und erfolgsorientierte Gesellschaften ein ständig anwachsendes Gewaltpotenzial entwickeln. Gewalt an den Schulen, z.B., nimmt beständig zu. Aus der Angst vor Gewalt entsteht sehr schnell der Wunsch nach Aufrüstung. Dieser Wunsch ist zwar verständlich und entspricht unserem Konsumverhalten ist aber offensichtlich falsch. Gewalt erzeugt Gegengewalt, es kommt zu einer kaum mehr kontrollierbaren Spirale, und die nächst wirkungsvollere Superwaffe ist schon besorgt. Mit Aufrüstung wird schon immer viel Geld verdient.
Es müssen ja nicht gerade Waffen sein. Auch Kampkfünste können gut kommerzialisiert werden. Viele Kampfschulen geben heute vor, gegen Geld und mehr oder weniger lange Kurse, die oben genannten Probleme lösen zu können. Das treibt zum Teil kuriose Blüten. Gemeinden, Gesundheitsämter und sogar die Polizei empfehlen mancherorts den Besuch von Schnellkursen, wie z.B. WenDo für Mädchen. Diese Kurse sind sicher gut gemeint, aber niemand wird wohl ernsthaft glauben, dass Selbstbehauptung oder gar Selbstverteidigung in einem Kurs von vielleicht 20 Stunden erlernt werden könne. Viel zu schnell verfällt man in Ausnahmesituationen in alte Verhaltensmuster bzw. Reflexe zurück. Es besteht sogar eine gewisse Gefahr, wenn Eltern oder Kinder nach einem solchen Kurs der Meinung sind, Angst wäre jetzt nicht mehr nötig oder gar unangebracht, man könne sich ja selbst verteidigen. Das einzige, was wirklich schützen kann, ist beständiges Üben, Befassen mit der Materie, und vor allem Befassen mit sich selbst.
Das Ziel der Selbstverteidigung, wie wir sie empfinden, ist nicht Aufrüstung, sondern Erkenntnis. In einer fortlaufenden Gruppe mit fähigen und sozial engagierten Trainern können sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Ihren Ängsten und ihrem eigenen Gewaltpotential auseinandersetzen und im Idealfall Selbstbehauptung, Ritterlichkeit, Toleranz, Achtung vor dem Gegner und auch die Fähigkeit sich im Falle einer akuten Gefahr verteidigen zu können, erlangen. Siehe auch Kernsätze des Budo oder unsere Dojo-Regeln. Im Idealfall kann (sollte) das Trainieren einer Kampfkunst zur Selbstverteidigung auch als Weg (Do) zu einem entspannten, selbstsicheren und erleuchteten inneren Selbst führen. Dies entspricht am ehesten meiner Vision von einer gewaltfreieren Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die nicht mehr von Angst und Frust regiert wird, sondern eine Gemeinschaft von Menschen, die für sich und andere liebevoll Verantwortung übernehmen können.